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Im Aufbau.

Körungssystem

Curt Friedrich König rekonstruierte die Rasse u.a. auch unter Verwendung eines von ihm entwickelten Systems der Gesundheits- und Wesensüberprüfung, denn nicht nur die von ihm gefundene parainfantile Erscheinungsform, sondern auch ein körperlich und wesensmäßig nach seinem Verhalten gesunder Hund sollte hier entstehen.

Er entwickelte somit für diesen Zweck folgendes, hier wörtlich zitiertes:

Körungssystem s. parallel hierzu abgedruckten seinerzeitigen Körschein

A/1. Wachsamkeit wird geprüft, indem man den Führer des Tieres irgendwo sich versteckt lagern lässt und den Hund dann durch eine sich verdächtig machende Person aufmerksam zu machen sucht. Dabei sollte man auf alle Hetzkommandos verzichten. Wie nahe der Fremde kommen kann, ehe der Hund aufmuckt, zeigt den Grad seiner Wachsamkeit.

A/2. Unerschrockenheit ist feststellbar an dem Grad der Sicherheit, mit der ein Hund ihm unbekannte Situationen meistert. Die Beobachtungen über die Selbstsicherheit eines Hundes erstrecken sich über den gesamten Körungsablauf.

A/3. Ist eine Erweiterung der 1. Feststellung. Gute Hunde sollen aus dem Schutztrieb heraus verteidigen, nicht aus Beißlust. Alle Verfahren, die mithilfe von Schmerzreizen einen Hund zur Abwehr bringen sollen, zeigen nur eigene Selbstverteidigung oder Beißlust an. Je nach Alter des Prüflings und der Geschicklichkeit des Helfers lassen sich Bedrohung und Abwehr des Tieres bis zum echten Kampf steigern und den Schutzwert beurteilen.

Zu A. Mit der Prüfung der Schutzwerte beurteilen wir die Abwehrbereitschaft des Hundes. Bei der Zucht umgänglicher Haus- und Kulturhunde geht es um eine bestimmte soziale Intelligenz, die das Tier dadurch zeigt, dass es ein Kind oder den schlafenden Kumpan verteidigt. Dazu ist es notwendig, eine wirklichkeitsnahe Situation aufzustellen. Ein Hund, der sich selber wehrt, wenn er geärgert wird, kann zum bissigen Burschen werden. Ein Hund, der sich aber nur zur Wehr setzt, wenn sein Herr (später auch dessen Eigentum) bedroht ist, wird nie eine Gefahr für harmlose Menschen.

B/4. Angeboren zweckmäßiges Verhalten auf der Fährte lässt sich schon bei sehr jungen Hunden auf der Herrenfährte leicht beurteilen. Der von einem Helfer gehaltene Hund sieht seinen Meister fortgehen und möchte ihm folgen. Im Sichtbereich des Hundes entschwindet vor seinen Augen der geliebte Mensch. Der legt sich (möglichst im hohen Grase) nieder und verbleibt unbedingt schweigend und unbeweglich.

Zu B/4 Der Hund rast dahin, wo er seinen Meister (oder sonst eine geliebte Person) aus den Augen verlor. Darauf begibt er sich von Natur aus auf die Suche, die je nach dem Alter des Tieres nur so eingerichtet wird, dass es dem Prüfling beim ersten Male gut gelingt, zum Ziel zu kommen. Aber es ist wichtig, dass der Körmeister dafür sorgt, dass kein Laut und kein Ruf das Tier leitet. Dieses Suchen muss unbedingt durch die Nase, den Geruchssinn, entschieden werden. Findet ein Hund seiner ersten Suchen durch Anrufe oder Laute irgendwelcher Art, wird er später stets versuchen, solche Hilfen zu erspähen und seinen einzig sicheren Spürsinn nicht anwenden. Man hat sich einen Gucker und Horcher, keinen Spürhund erzogen. Den Hund hat man durch falsche Erziehung fehl geleitet und seiner sichersten Orientierung beraubt!

B/5. Die Fährtentreue ergibt sich aus dem Verhalten des Tieres auf der Fährte gegenüber anderen, kreuzenden, alten und frischen Fährten. Man führt den Hund auf der Fährte stets an der langen Leine, die ihn nicht behindern darf. Irrtümer lässt man den Hund ruhig selbst merken und auslaufen, bis er zur richtigen Fährte zurückfindet. Man darf nie auf der Fährte korrigieren! Hier darf nur der Hund führen!

B/6. Geht der Hund erst eifrig und erfolgreich einer Fährte nach, so werden die Strecken erweitert und durch Winkel nach allen Windrichtungen erschwert. Es genügt völlig, auch später zu Suchhunden bestimmte Hunde auf der Eigenfährte des Meisters zu prüfen und auszubilden, damit er Erfahrungen sammeln kann. Wir haben ein eigenes Verfahren, hernach doch mit der gleichen Erfahrung Fremdfährten verfolgen zu lassen.

C/7. Die Laufgeschwindigkeit prüft man am abgerufenen Hund. Man lässt den Hund angeleint beim Helfer zurück und geht rufend zum Ende der abgesteckten Hundertmeter-Strecke. Der Zielrichter steht dort mit der Stoppuhr. Es ist ratsam, bei noch ungeübten Hunden, einige Meter vor dem Ziel schon den Hund abzurufen und, wenn der Zielrichter das Zeichen gibt, lebhaft an diesem vorbei hinter das Ziel zu laufen. Der Körmeister stoppt vom Kommando: los - bis der Hund über das Ziel geht. Dort wird er freudig vom Meister empfangen. Wie schnell man bewerten will, hängt von der Rasse ab. Schutzhunde sollten schneller als jeder menschliche Läufer sein.

C/8. Das Springen soll vor allem zeigen, dass ein Hund leichtfüßig ist. Hochsprung soll kein Wettbewerb werden. Man darf von keinem verständigen Hund verlangen, dass er über ein Hindernis, dass er nicht beidseitig kennt, im Freisprung geht. Sprünge an ähnlichen Geräten, wie sie als Umzäunung von Grundstücken üblich sind, sollten vermieden werden, um den Hund nicht zu Spaziergängen zu verleiten. Nur wo der Gebrauch das erfordert, mag man derartige Sprünge und Klettersprünge üben.

Zu/9. Die die Gewandtheit eines Tieres ist leicht abzulesen, wenn man es auf schrägen Brettern und waagerechten Leitern gehen oder klettern lässt. Ebenso sind natürliche Hindernisse sowie Feld- und Bausteine in unregelmäßiger Verteilung gut geeignet, laufgewandte Hunde zu ermitteln.

D/10. Das Gepräge jeder zu prüfenden Rasse muss einem Körmeister völlig geläufig sein, das Schönheitsziel aber braucht und darf er nicht anstreben.

D/12.Die Härte, als körperliche Ausdauer, ist jetzt feststellbar nach all den vorhergehenden Übungen. Sie wird am besten zusammen mit der seelischen Ausdauer bewertet, die ja immer mitbeteiligt ist, wenn ein Tier unermüdlich arbeitswillig bleibt.

E. Das Verhalten im Wasser sollte geprüft werden, denn es gibt notorisch wasserscheue Hunde. Sie sind meist überempfindlich gegen den Temperaturunterschied und damit auch sonst anfällig.

F. Sehr bedeutsam ist das Verhalten zu Tieren und Wild allgemein. Man kann mit keinem Hund überall spazieren gehen, der jedem anderen Tier nachzujagen sucht. Als Wachhund ist ein passionierter Wilderer ohnehin unbrauchbar. Solches Tier sucht bei jeder Gelegenheit freizukommen und loszujagen. Ein Sack mit Kaninchen oder Katzen, am Zaune aufgehängt, lenkt ihn von seinen Pflichten ab.

Zu F. Man prüft das mit einem Käfig mit Kaninchen oder Kätzchen, indem man den Hundebesitzer veranlasst, einen Handschuh oder was der Hund gern bringt, vor und auf den Tierkäfig zu werfen. Kein wildpassionierter Hund bringt dann das Eigentum seines Meisters, sondern steht starr vor Gier vor dem Tierkasten. Dabei darf nicht geduldet werden, dass der Hund vorher mit Drohungen eingeschüchtert wird. Er soll aus sich heraus zeigen, dass ihn die kleinen Tiere nicht reizen.

G. Heute darf kein Hund so misstrauisch, bissig oder gar ängstlich sein, dass man ihn nicht anstandslos zwischen fremden Leuten hindurchführen kann.

H. Es war inzwischen zu sehen, ob Hund und Meister sich mögen und gut verstehen. Daher soll man seinen Hund nicht mit Bekannten zur Körung schicken, die nicht genug mit dem Tier vertraut sind.

I/K/L. "Schussfeste Hunde" gibt es leider nicht, wohl aber knallscheue und solche, die einem Lichtstrahl ausweichen. Auch gewitterscheue Hunde gehören nicht in eine Zucht. Man kann solche Tiere an jeden Knall gewöhnen, nicht aber gegen die Gewitterangst behüten. Solche sind als Wach- und Begleithunde erheblich im Wert gemindert und sollten nicht angekört werden zur Zucht.

M. Die Bringlust ist noch ein Fach, das nicht genügend gewürdigt wird. Ein Hund, der aus sich heraus zuverlässig bringt und abgibt, ist nicht nur ein vielseitiger Helfer bei Verlusten, sondern auch in vielerlei Beziehung erfreulich begabt. Ein guter Bringer ist stets weitaus gehorsamer als ein nicht bringender Hund und jederzeit leicht an die Hand des Meisters heranzubringen.

Dazu kann man diese einzige Anlage schon sehr früh fördern, ohne daraus eine Zwangsdressur zu machen. Schon kleine Welpen lernen leicht im Spiel, passende Gegenstände aufzunehmen und heran zu bringen. Ich rate nach langen Erfahrungen, dazu einen mittelgroßen Schlüssel zu nehmen, den man mit einer Schnur oder dünnem Leder umwunden beziehungsweise überzogen hat. Diesem kleinen Gegenstand kann man stets in der Tasche tragen und zum Bringespiel mit dem Hund zur Hand haben.