Thale Hovawart



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Im Aufbau.

Geschichtliches zur Rasse

Die früheste Überlieferung des Namens „hovewart“ für einen Haushund findet sich wohl in einer Rechtssammlung, dem Sachsenspiegel des Eike von Repgow um 1230 das geltende Landrecht beschreibend im 3. Buch Art. 52 + 53 Bild 127 Folio 49r. Dort ist eine Schadensersatzauflistung (Wergeld) für Haustiere abgedruckt. Wenn man bedenkt, dass danach für ein Arbeitspferd 12 Schillinge, einen Zugochsen 8 Schillinge und einen „hovewart“ 3 Schillinge zu zahlen waren, kann man den Wert bedenken, der im Mittelalter einem Wachhund mit den Eigenschaften eines „hovewart“ zukam.

Denn eine Aufgabenbeschreibung des Hovewart findet sich im sog Schwabenspiegel (auch einer Rechtssammlung) aus etwas späterer Zeit:
Ein hunt heizet ein hovewart, der einem man sins huses unde sins hoves huotet naht unde tac.
Frei übersetzt: Hovawart heißt der Hund, der Häuser und Höfe Tag und Nacht bewacht.

Hierzu passt ein Spruch, ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert:
Ich waere ungerne da ein wint, da die stumpfen hovewart werder danne die wint sint.
Ich wäre ungern dort ein Windhund, wo die stumpfen Hovawarte mehr Wert als die Windhunde sind.


Curt Friedrich König (1896 – 1975), der mit seinen Rekonstruktionszuchten die Grundlage für die heutige Hovawart Rasse geschaffen hat, und der im Jahr 1922 in Thale am Harz Freiheit Nr.5 wohnte, schreibt in der Jahresgabe der Hovawart Zuchtgemeinschaft Deutschland e.V. 1974:
Weder die ersten Vereinsmitglieder noch sonst jemand in der Kynologie hatten Kenntnisse, was ein Hovawart sei und darstellen sollte. Nur Hinweise auf den Namen fanden sich in der Literatur. Einige Bemerkungen in Sachsenspiegel über Lang- und Zotthaarigkeit und eine tiefe Stimme und einiges über die Verwendung dieser Hunde zum Schutz der Herden und des Haus- und Hofbesitzes. In der neuen Literatur tauchte der Name bei Stephanitz wieder auf, wo er „auf freier Wildbahn“ zwischen den Schäferhunden und älteren Hundeformen stand. Kein Wort über das Aussehen und die sonstigen Merkmale. Kurz und gut: Man kannte keinen Hovawart mehr!
Mein Vater, Bertram König, hatte eine Jugenderinnerung peinlicher Art an einen großen langhaarigen Hund, der eine Badeanstalt bewachte. Als Badegast gut mit diesem Hund bekannt, riskierte mein Vater an einem Abend nach Schluss der Badeanstalt, über den Zaun zu klettern, um spät noch zu baden. Dem Hunde, der sich ihm entgegenstellte, rief er kurz zu und sprang ins Wasser. Als er auftauchte, sah er den Hund hinter sich, spürte dann seine Zähne im Oberarm und musste ihm ans Ufer folgen. Dort stelle dieser Hund den Jungen und wollte ihn nicht gehen lassen. Ein Fluchtversuch misslang kläglich, mein Vater wurde dabei gebissen und weiter festgehalten, bis später der Anstaltsbesitzer und Bademeister zufällig kam und ihn befreite. Dieser Vorgang, dass ein völlig kinderfreundlicher Hund zu Badezeiten, zu anderer Zeit aber ganz anders reagieren konnte, nötigte meinem Vater einen solchen Respekt ab, dass er lebenslang auf intelligente Hunde achtete, die ihre Handlungen der jeweiligen Situation anzupassen verstanden.
Als wir später auf große Hunde achteten, die es dort noch gab, wo es vor nicht allzu langer Zeit Bären und Wölfe gegeben hatte, fanden wir solche „überlegsamen“ Tiere, die mehrere Verrichtungen übernehmen konnten.
Da, wie König schreibt, keiner mehr in der Kynologie Kenntnisse davon hatte, was ein Hovawart sei, besetzten sein Vater und er mit guten Gründen diesen Namen zunächst für diese domestizierten wolfsstämmigen „überlegsamen“ Hunde, und übernahmen ihn später für die ihrem Verhalten nach „natürlichen Schutzhunde“, die sie nach den unten beschriebenen Erfahrungen und nach den ihrer Meinung nach gefundenen Erbgesetzen herauszuzüchten (zu rekonstruieren) sich vorgenommen hat-ten.
Die Ausgangshunde mussten eindeutig wolfsstämmige Tiere sein, da König nach seinen Zuchterfahrungen zu der Überzeugung gekommen war, dass beim Wolf die fortgesetzte Inzucht zu erblicher Zahmheit, Erhaltung der Jugendwolle bis zur Langhaarigkeit, Farbvariationen (schwarz-marken) von hell bis dunkel mit weißen Abzeichen an Pfoten und Brust, Hängeohrigkeit, Verkürzung des Fanges, hochgetragener Rute und bellendem Lautgeben geführt hatten (Parainfantilität).
König mischte also nicht, wie in der gesamten Hovawartliteratur unrichtig beschrieben wird, Leonberger, Neufundländer, Schweizer Sennenhunde, Schäferhunde pp. mit sonstigen rasselosen Typhunden gleichen Aussehens, sondern paarte die von ihm erkannten wolfsstämmigen Exemplare dieser seinerzeit noch nicht durchgezüchteten Rassen (keine Leonberger oder Kuvacs) und diese sog.Typhunde untereinander und selektierte deren Nachkommen einmal nach der oben beschriebenen parainfantilen Erscheinung und zum anderen von Anfang an nach einer von ihm entworfenen Anlagenprüfung (Körung).
Track 11, 13
Darüber dass auch eine Afrikanische/Persische Wi(n/l)dhündin zu den Ausgangstieren der Hovawartzucht gehört haben soll, gibt es in den hier bis 1936 vorliegenden Aufzeichnungen keinen Anhaltspunkt, obwohl König z.B. den Saluki zu den wolfstämmigen Hunden zählt.
Track 12
Einkreuzungen hat König, wie sich aus dem Zuchtbuch ergibt, auch nach der Anerkennung der Rasse noch vorgenommen. Ob es sich bei der Übernahme der Hündin >Tessa< HSt 763/40 wirklich um diese sagenumwobene Windhündin handelt scheint doch sehr fraglich, denn deren Eltern sind als „original gelbe Bauernhunde aus Westeuropa“ erwähnt und drei ihrer am 12.03.1941 geworfenen Welpen waren blond und drei sind als „tarnfarbig“ beschrieben.
Mit Curt Friedrich König und der von ihm durchgeführten Rekonstruktion tritt der Hovawart wieder in die Geschichte ein. 1937 wird er als eigenständige Hunderasse anerkannt.